2.schicht 2021

2.schicht wurde die zu leistende Hausarbeit von Frauen nach der Lohnarbeit zu DDR- Zeiten genannt.  Die Doppelbelastung der Frauen zu DDR Zeiten stellt auf der einen Seite eine Problematik dar, die auch heute nicht überwunden ist, aber auch ein emanzipatorisches Realität von Frauen in der DDR. So waren 1989 vor der friedlichen Revolution 91% der Frauen erwerbstätig. Die DDR erreichte damit die höchste Quote weltweit, was nicht zuletzt an umfassenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten lag. Aber auch die freie Entscheidung von Frauen über ihren eigenen Körper war fortschrittlicher als in der BRD. So gab es die Pille kostenlos und Schwangerschaftsunterbrechungen waren bis zur 12. Woche voraussetzungslos möglich. Trotzdem blieb es bei einer Ungleichverteilung der Doppelbelastung zwischen Mann und Frau.

Die Arbeit 2.schicht beschäftigt sich mit dem Frauenbild zu DDR Zeiten. Die jungen Frauen auf den Fotografien tragen Dederon Kittelschürzen, welche zu DDR Zeiten von nahezu jeder Frau während der Haus- und Lohnarbeit getragen wurde. Schürzen als Kleidungsstücke, die als weiblicher Arbeit konnotiert sind, werden hier selbstbestimmt von einer jungen Generation getragen. In Kombination  mit Arbeitshosen aus Dederon werden sie zum neuen Arbeitsoutfit, welches fluide Geschlechteridentitäten zulässt. Gleichzeitig verweist die Kleidung auf die Rückentwicklung in Bezug auf das Frauenbild nach der Wiedervereinigung und einen Blick in Richtung Arbeitsrealitäten in der DDR. Das Ruhrgebiet als strukturschwache Region im Westen steht hier neben abgehängten Regionen, die sich zu großen Teilen immer noch im Osten befinden. Laut Statistik ist Gelsenkirchen die ärmste Stadt in Deutschland. Es gibt es also nach wie vor Hierarchien in Arbeitsbereichen. Vor allem weiblich konnotierte Arbeit wird immer noch schlechter bezahlt und Hausarbeit bleibt unbezahlt. Ein Umdenken in Richtung emanzipatorischer Arbeitsrealitäten steht aus!

Künstlerin (Kostüm/Konzept): Anne Reiter

Fotografinnen: Liv Plotz und Indra Helm

Modells: Helena Baumeister, Jill-Aurelia Pastore, Anne Reiter

Ausstellungsansichten bei „under feminist construction“, Bochum: Mona Dierkes